Bremsenfallen

Entgegen den Herstellerangaben töten die Fallen nicht nur Bremsen!

Zum Hintergrund:

Wer kennt sie nicht, diese etwa 2 cm großen Plagegeister, die mit erschreckender Zielstrebigkeit über ihre Opfer herfallen, um an frisches Blut zu kommen? Vereinzelt sind sie im Bereich feuchter Waldränder anzutreffen, sehr viel häufiger aber auf Vieh- und Pferdeweiden. Während Mücken nach dem Landen erst nach einer geeigneten Einstichstelle suchen, beißen Bremsen sofort. Zudem sind die von ihnen herrvorgerufenen Verletzungen (im Gegensatz zu denen ihrer zierlichen Verwandten) deutlich intensiver.

 

Das beste Gegenmittel, sich der Plagegeister zu erwehren, ist es, Orte mit Bremsen zu meiden. Alternativ kann auch helle Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen getragen werden, dessen Stoff allerdings nicht zu dünn sein sollte. Für alle, die in Bremsengebieten leben oder sich längere Zeit dort aufhalten, ist dies, zumal in den Sommermonaten, aber kaum ein praktikabler Weg ... und für die ebenfalls betroffenen Pferde schon gar nicht. Wie erfreulich, dass es da ein Produkt gibt, das Hilfe verspricht: Eine Falle, die gezielt Bremsen anlockt und ihnen den Garaus macht.

 

Bremsenfalle (Quelle: https://www.fencemaster.de)
Bremsenfalle (Quelle: https://www.fencemaster.de)

Die Falle besteht aus einem dunklen Ballon, einem hellen Netz und einer Fangdose. Das Funktionsprinzip: Der von der Sonne aufgeheizte Ballon täuscht den Bremsen einen warmen Körper vor. Sobald die Tiere merken, dass der Ballon keine Nahrung verspricht, steigen sie vertikal auf und werden von dem Netz zur Fangdose geleitet.

 

Erste Untersuchungen zeigen aber, dass nicht nur Bremsen in der Falle landen. Nicht selten ist es sogar so, dass der Beifang die Menge an Bremsen deutlich übersteigt. So waren in einer der Studien lediglich 4% der getöteten Individuen tatsächlich Bremsen; der große Rest bestand aus Fliegen, Schmetterlingen und auch Wildbienen. Eine andere Studie kommt zu dem Schluss, dass "aufgrund des unselektiven Wirkungsprinzips sogar geschützte und vom Aussterben massiv bedrohte Arten in hohem Masse dezimiert werden" (Quelle).

 

Vor dem Hintergrund des massiven Insektenschwundes ist von der Verwendung solcher Fallen daher dringend abzuraten.

 

Und ganz aktuell:

Mittlerweile gibt es einen Runderlass des Umweltministeriums NRW (Text liegt dem NABU Duisburg vor). Darin ist festgelegt, dass der Einsatz von Bremsenfallen nur in der Zeit vom 01.06. bis 15.09. erlaubt ist und auch nur außerhalb von Naturschutzgebieten. Begründet wird das Verbot damit, dass wegen des unselektiven Wirkungsprinzips dieser Art von Fallen auch besonders geschützte Arten betroffen sein können, wodurch das Fang- und Tötungsverbot des Bundesnaturschutzgesetzes verletzt wird (BNatSchG §44 Absatz 1 Nummer 1).

Kopf einer Bremse (Quelle: pixabay, Jackdrafahl)
Kopf einer Bremse (Quelle: pixabay, Jackdrafahl)

Übrigens: Die auf dem Foto zu erkennenden Fortsätze sind keine Stechwerkzeuge, sondern harmlose Fühler. Die eigentlichen Mundwerkzeuge befinden sich außerhalb des Bildes.

21.09.2020