Hintergründe zur Trockenheit

Update vom 23.10.2020

Endlich Regen!

Nach den vielen Monaten mit viel zu wenig Niederschlag haben uns die letzten Wochen das langersehnte Nass von oben beschert - fast schon so viel, dass es dem einen oder anderen zu viel ist. Geht es Ihnen nicht auch so?

Aber wie viel Regen ist tatsächlich gefallen? Erstaunlicherweise nur wenig mehr als in einem normalen Oktober. Ja, viele von uns scheinen sich an die trockenen Tage gewöhnt zu haben. Und dennoch: Der geringe Überschuss reicht aus, um die Wiesen wieder grün zu machen. Augenscheinlich ist die Dürre erst einmal vorbei (siehe dazu Abbildung 2).

Es gibt jedoch ein großes 'Aber'. So konnte der Regen bislang nur die oberste Bodenschicht durchdringen. Weiter unten, d.h. in etwa 1 bis 2 Meter Tiefe, also dort, wo die die Bäume wurzeln, herrscht nach wie vor extreme Dürre (rote Farbe).

 

Überblick über die Dürre in unterschiedlichen Bodenschichten (Stand 21.10.2020)

Bildquelle: Helmholz-Zentrum für Umweltforschung

Dürremonitor Gesamtboden

ca. 1,8 Meter

Dürremonitor Oberboden

bis 25 cm

Pflanzenverfügbares Wasser

bis 25 cm


Beitrag vom 03.09.2020

 

Klima war gestern - heute ist Corona.

Der Satz impliziert, dass die eine Krise von der anderen abgelöst wurde. Doch leider ist es nicht so. Während sich die Medien auf das neue wichtige Thema stürzen, schreitet das andere unbeirrt voran. Fakt ist: Der Klimawandel macht keine Pause.

 

Gartenbesitzer haben es längst bemerkt: Auch dieses Jahr geizt mit Niederschlägen. Dabei war der Auftakt ermutigend: Regen von Anfang Februar bis Mitte März. Rückblickend war das leider nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Droht uns jetzt das dritte Dürrejahr in Folge? Eine Bestandsaufnahme.

 

Wie in der Einleitung bereits zu lesen, waren die diesjährigen Niederschläge sehr ungleich verteilt. Während im Februar fast dreimal so viel Niederschlag fiel wie gewöhnlich (normale Regenmenge plus 190% Überschuss | Abbildung 1), waren die Folgemonate außergewöhnlich trocken. So fielen im April nur gut 20% der üblichen Regenmenge, im Mai waren es lediglich 15% und in den Monaten Juni und Juli gut die Hälfte. Ausbleibende Niederschläge sind gerade in den Frühjahrsmonaten problematisch, da die Vegetation für den Blattaustrieb ausreichend Feuchtigkeit benötigt. Wenn dann auch noch die Sommermonate trocken bleiben, wie es in diesem Jahr der Fall war, steht den Pflanzen nicht mehr ausreichend Wasser zur Verfügung, so dass die Welke droht (Abbildungen 2). Deutschlandweit hat sich die Situation in den letzten Tagen merklich verbessert, mit Ausnahme eines Streifens von Berlin bis zur niederländischen Grenze.

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Abb. 1: Niederschlagsbilanz 2020 - Januar bis September

(Grafik aktualisiert am 15.10.2020)

Erläuterungen zu obiger Abbildung: Dargestellt sind nicht die Absolutwerte der Niederschläge, sondern die relativen Abweichungen zum langjährigen Mittelwert. Werte oberhalb der Nulllinie bedeuten einen Regenüberschuss (blaue Säulen), Werte unterhalb der Nulllinie ein Niederschlagsdefizit (ockerfarbene Säulen). Fehlende Säulen, wie im März, erklären sich duch eine ausgeglichene Regenbilanz (weder Überschuss, noch Defizit).

Datenquelle: Deutscher Wetterdienst/Klimastation Düsseldorf. Referenzperiode: 1971 bis 2010 (zur Erläuterung: die Referenzperiode kennzeichnet den Zeitraum, der für die Ermittlung des Klimamittels herangezogen wurde..

 

Abb. 2: Überblick über das so genannte "Pflanzenverfügbare Wasser"

Bildquelle: Helmholz-Zentrum für Umweltforschung

(Signaturen: hell orange + orange = Trockenstress; rot = Welkepunkt)

10.08.2020

10.09.2020

10.10.2020


 

Die Trockenheit im aktuellen Jahr ist umso gravierender, da uns die letzten beiden Jahre bekanntermaßen längere Dürreperioden bescherten. Abbildung 3 zeigt das Ausmaß dieser Vorgeschichte. Zu sehen ist dort die kumulierte Regenbilanz seit Anfang 2018. 'Kumuliert' bedeutet, dass die (positive oder negative) Abweichung der täglichen Niederschläge vom langjährigen Mittelwert sukzessive aufaddiert wurde. Deutlich sind die Dürreperioden der vergangenen Jahre abzulesen - einmal von Juli bis November 2018 (a) sowie von April bis August 2019 (b). Des Weiteren ist zu sehen, dass die Regenfälle im Februar 2020, so massiv sie auch waren, zu einer leider nur geringen Entspannung geführt haben (c). Überdies wurde der Überschuss durch die darauf folgende, fast 6 Monate anhaltende Trockenzeit vollständig aufgezehrt (d).

 

Fazit: Das Regendefizit der letzten 2,5 Jahre hat sich im Westen Deutschlands auf mittlerweile 410 Liter pro Quadratmeter aufgeschaukelt. Das entspricht etwa 55% der Niederschlagsmenge eines ganzen Jahres. Man möchte sich nicht vorstellen, was passiert, sollte die Trockenzeit über den Herbst hinaus andauern.

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Abb. 3: Niederschlagsbilanz seit Januar 2018

(y-Achse: Liter pro Quadratmeter | Grafik aktualisiert am 15.10.2020)

Erläuterungen: Im Gegensatz zu Abbildung 1 sind hier die absoluten Regenmengen dargestellt (Liter pro Quadratmeter) - auch wieder als Abweichung vom Klimamittel. Basis sind die Regensummen pro Pentade, d.h. in Intervallen von jeweils 5 Tagen. Absinkende Kurvensegmente indizieren ein Regendefizit, ansteigende Kurvensegmente einen Regenüberschuss.

 

So düster die Bilanz ist, zeigt sich die ganze Dramatik der Situation jedoch erst, wenn man noch weiter zurückschaut. Abbildung 4 macht deutlich, dass die Periode verringerter Regenfälle bis ins Jahr 2010 zurückreicht. Somit waren die Dürrejahre 2018 und 2019 keine Ausreißer, wie es in den Medien häufig suggeriert wird, sondern der vorläufige Höhepunkt einer mittlerweile zehn Jahre andauernden Entwicklung.

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Abb. 4: Niederschlagsbilanz vom Jahr 2000 bis heute

(Grafik aktualisiert am 01.08.2020 | * 2020 auf Basis der Monate Januar bis Juli)

Erläuterungen wie Abbildung 1

Die Zahlen sind in der Tat besorgniserregend. Als eine Ursache der zunehmenden Extremwetter-Ereignisse wird die Verlangsamung der wetterlenkenden Höhenströmung (Jet-Stream) angesehen. Da die Strömung das Zugverhalten von Hoch- und Tiefdruckgbebieten steuert, verharren diese länger an einem Ort. In der Folge nimmt die Wahrscheinlichkeit für ausgeprägte Dürren (wie übrigens auch die Intensität von Regenfällen) zu.

Die Veränderung der Niederschlagsverteilung wirkt sich negativ auf alle Lebensräume der Erde aus, weil jedes Ökosystem, jede Tier- und Pfanzenart letztlich von der Verfügbarkeit von Wasser abhängt. In den Dürrejahren 2018 und 2019 verschwanden in Duisburg beispielsweise viele Kleingewässer, und selbst Bäche fielen monatelang trocken. Aber auch der Wald leidet, wird anfälliger gegenüber Schädlingen oder Pilzerkrankungen und kann Stürmen aufgrund des Trockenstresses nicht mehr in gewohnter Weise widerstehen. Dies alles sind Folgeerscheinungen des menschengemachten Klimawandels.

 

Der Einfluss einzelner Kommunen auf klimasteuernde Faktoren, wie beispielsweise den Ausstoß von Kohlendioxid, ist natürlich begrenzt. Das sollte jedoch kein Grund sein, die Hände in den Schoß zu legen. Die Gesamtwirkung CO2-senkender Maßnahmen ist immer die Summe der Wirkungen aller Einzel-maßnahmen. Und so hat auch eine Stadt wie Duisburg ihren Beitrag zu leisten.

Hinzu kommt, dass die negativen Auswirkungen von Klimaveränderungen nur auf lokaler Ebene bekämpft werden können. Beispielhaft zu nennen wären hier Maßnahmen gegen Dürreerscheinungen bzw. Starkregenereignisse sowie die Verringerung der Hitzebelastung durch das Pflanzen von Bäumen (Beschattung) oder die Schaffung von Wasserflächen (Kühleffekt durch Verdunstung). Was die Stadt Duisburg in diesem Bereich plant (oder nicht plant), soll demnächst behandelt werden.

 

Abschließend wollen wir den Kreis schließen und zu der Schlagzeile zurückkehren, die Anlass war, obigen Beitrag zu verfassen. So reißerisch die Aussage des städtischen Försters klingen mag, so wichtig ist sie, um uns Bürgern, vor allem aber auch den Entscheidungsträgern die Augen zu öffnen. Der Klimawandel wird uns empfindlich treffen, gerade in den Ballungszentren. Den Hitzetagen können wir vielleicht noch entgehen - auch wenn der massive Betrieb von Klimaanlagen das Problem langfristig noch verschärfen wird. Fehlendes Wasser aber lässt sich nicht herbeizaubern, und die Überlegungen, verstärkt Grundwasser zur Versorgung landwirtschaftlicher Flächen zu nutzen, ist nur eine kurzfristige Lösung, denn sie verlagert das Problem in die Zukunft und damit auf die Schultern unserer Kinder.

03.09.2020

 

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