Hintergründe zur gegenwärtigen Trockenheit

17.05.2020

letzte Aktualisierung: 01.08.2020

Klima war gestern - heute ist Corona.

Der Satz impliziert, dass die eine Krise von der anderen abgelöst wurde. Doch leider ist es nicht so. Während sich die Medien auf das neue wichtige Thema stürzen, schreitet das andere unbeirrt voran. Fakt ist: Der Klimawandel macht keine Pause.

 

Gartenbesitzer haben es längst bemerkt: Das diesjährige Frühjahr geizte mit Niederschlägen ... und der Sommer scheint in eine ähnliche Kerbe schlagen zu wollen. Dabei war der Auftakt recht ermutigend: Regen von Anfang Februar bis Mitte März. Rückblickend war das leider nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Droht uns jetzt das dritte Dürrejahr in Folge? Eine Bestandsaufnahme.

 

Wie in der Einleitung bereits angeführt, waren die Niederschläge der letzten Monate sehr ungleich verteilt. Während im Februar fast dreimal so viel Niederschlag fiel wie gewöhnlich (normale Regenmenge plus 190% Überschuss | Abbildung 1), waren die Folgemonate außergewöhnlich trocken. So fielen im April nur gut 20% der üblichen Regenmenge, im Mai waren es lediglich 15% und in den Monaten Juni und Juli jeweils die Hälfte. Ausbleibende Niederschläge sind gerade in den Frühjahrsmonaten problematisch, da die Vegetation für den Blattaustrieb ausreichend Feuchtigkeit benötigt. Wenn dann auch noch die Sommermonate trocken bleiben, steht den Pflanzen nicht mehr ausreichend Wasser zur Verfügung, so dass die Welke droht (Abbildung 2).

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Abbildung 1: Niederschlagsbilanz in den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 (Grafik aktualisiert am 01.08.2020)
Abbildung 1: Niederschlagsbilanz in den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 (Grafik aktualisiert am 01.08.2020)

Erläuterungen zu obiger Abbildung: Dargestellt sind nicht die Absolutwerte der Niederschläge, sondern die relativen Abweichungen zum langjährigen Mittelwert. Werte oberhalb der Nulllinie bedeuten einen Regenüberschuss (blaue Säulen), Werte unterhalb der Nulllinie ein Niederschlagsdefizit (ockerfarbene Säulen). Fehlende Säulen, wie im März, erklären sich duch eine ausgeglichene Regenbilanz (weder Überschuss, noch Defizit).

Datenquelle: Deutscher Wetterdienst/Klimastation Düsseldorf. Referenzperiode: 1971 bis 2010 (die Referenzperiode kennzeichnet den Zeitraum, der für die Ermittlung des Klimamittels herangezogen wurde).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 2:

Die Karte stellt eine Übersicht des so genannten pflanzenverfügbaren Wassers dar (Bildquelle: Helmholz-Zentrum für Umweltforschung / Kartenstand: 10.08.2020).

 

Signaturen:

hell orange + orange = Trockenstress

rot = Welkepunkt

 

 

Die Trockenheit im aktuellen Jahr ist umso gravierender, da die letzten beiden Jahre bekanntermaßen längere Dürreperioden mit sich brachten. Abbildung 3 zeigt das Ausmaß dieser Vorgeschichte. Zu sehen ist dort die kumulierte Regenbilanz seit Anfang 2018. 'Kumuliert' bedeutet, dass die (positive oder negative) Abweichung der täglichen Niederschläge vom langjährigen Mittelwert sukzessive (also nach und nach) aufaddiert wurde. Deutlich sind die Dürreperioden der vergangenen Jahre abzulesen - einmal von Juli bis November 2018 (a) sowie von April bis August 2019 (b). Des Weiteren ist zu sehen, dass die Regenfälle im Februar 2020, so massiv sie auch waren, zu einer leider nur geringen Entspannung führten (c). Überdies wurde der Überschuss durch die darauf folgenden Trockenmonate schnell wieder aufgezehrt (d).

 

Fazit: Das Regendefizit der letzten 2,5 Jahre hat sich im Westen Deutschlands auf mittlerweile 410 Liter pro Quadratmeter aufgeschaukelt. Das entspricht etwa 55% der Niederschlagsmenge eines ganzen Jahres. Man möchte sich nicht vorstellen, was passiert, sollte die Trockenzeit über den Sommer hinaus anhalten.

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Abbildung 3: Niederschlagsbilanz seit 2018 (y-Achse: Liter pro Quadratmeter | Grafik aktualisiert am 01.08.2020)
Abbildung 3: Niederschlagsbilanz seit 2018 (y-Achse: Liter pro Quadratmeter | Grafik aktualisiert am 01.08.2020)

Erläuterungen: Im Gegensatz zu Abbildung 1 sind hier die absoluten Regenmengen dargestellt (Liter pro Quadratmeter) - auch wieder als Abweichung vom Klimamittel. Basis sind die Regensummen pro Pentade, d.h. in Intervallen von jeweils 5 Tagen. Absinkende Kurvensegmente indizieren ein Regendefizit, ansteigende Kurvensegmente einen Regenüberschuss.

 

So düster die Bilanz ist, zeigt sich das ganze Ausmaß der  Trockenheit jedoch erst, wenn man noch weiter zurückschaut. Abbildung 4 macht deutlich, dass die Periode verringerter Regenfälle bis ins Jahr 2010 zurückreicht. Somit waren die Dürrejahre 2018 und 2019 keine Ausreißer, wie es in den Medien häufig suggeriert wird, sondern der vorläufige Höhepunkt einer mittlerweile zehn Jahre andauernden Entwicklung.

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Abbildung 4: Niederschlagsbilanz seit dem Jahr 2000 (Grafik aktualisiert am 01.08.2020 | * 2020 auf Basis der Monate Jan bis Jul)
Abbildung 4: Niederschlagsbilanz seit dem Jahr 2000 (Grafik aktualisiert am 01.08.2020 | * 2020 auf Basis der Monate Jan bis Jul)

Erläuterungen wie Abbildung 1

Die Zahlen sind in der Tat besorgniserregend. Als eine Ursache der zunehmenden Extremwetter-Ereignisse wird die Verlangsamung der wetterlenkenden Höhenströmung (Jet-Stream) angesehen. Da die Strömung das Zugverhalten von Hoch- und Tiefdruckgbebieten steuert, verharren diese länger an einem Ort. In der Folge nimmt die Wahrscheinlichkeit für ausgeprägte Dürren wie auch die Intensität von Regenfällen zu.

Die Veränderung der Niederschlagsverteilung wirkt sich negativ auf alle Lebensräume der Erde aus, weil jedes Ökosystem, jede Tier- und Pfanzenart letztlich von der Verfügbarkeit von Wasser abhängt. In den Dürrejahren 2018 und 2019 verschwanden in Duisburg beispielsweise viele Kleingewässer, und selbst Bäche fielen monatelang trocken. Aber auch der Wald leidet, wird anfälliger gegenüber Schädlingen oder Pilzerkrankungen und kann Stürmen aufgrund des Trockenstresses nicht mehr in gewohnter Weise widerstehen. Dies alles sind Folgeerscheinungen des menschengemachten Klimawandels.

 

Der Einfluss einzelner Kommunen auf klimasteuernde Faktoren, wie beispielsweise den Ausstoß von Kohlendioxid, ist natürlich begrenzt. Das sollte jedoch kein Grund sein, die Hände in den Schoß zu legen. Die Gesamtwirkung CO2-senkender Maßnahmen ist immer die Summe der Wirkungen aller Einzel-maßnahmen. Und so hat auch eine Stadt wie Duisburg ihren Beitrag zu leisten.

Hinzu kommt, dass die negativen Auswirkungen von Klimaveränderungen nur auf lokaler Ebene bekämpft werden können. Beispielhaft zu nennen wären hier Maßnahmen gegen Dürreerscheinungen bzw. Starkregenereignisse sowie die Verringerung der Hitzebelastung durch das Pflanzen von Bäumen (Beschattung) oder die Schaffung von Wasserflächen (Kühleffekt durch Verdunstung). Was die Stadt Duisburg in diesem Bereich plant (oder nicht plant), soll demnächst behandelt werden.

 

Abschließend wollen wir den Kreis schließen und zu der Schlagzeile zurückkehren, die Anlass war, obigen Beitrag zu verfassen. So reißerisch die Aussage des städtischen Försters klingen mag, so wichtig ist sie, um uns Bürgern, vor allem aber auch den Entscheidungsträgern die Augen zu öffnen. Der Klimawandel wird uns empfindlich treffen, gerade in den Ballungszentren. Den Hitzetagen können wir vielleicht noch entgehen - auch wenn der massive Betrieb von Klimaanlagen das Problem langfristig noch verschärfen wird. Fehlendes Wasser aber lässt sich nicht herbeizaubern, und die Überlegungen, verstärkt Grundwasser zur Versorgung landwirtschaftlicher Flächen zu nutzen, ist nur eine kurzfristige Lösung, denn sie verlagert das Problem in die Zukunft und damit auf die Schultern unserer Kinder.

Hier nun der Artikel.

 

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