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PR-Kampagnen der Stadt im Fokus

WAZ vom 12.04.2024 (Foto: Oliver Müller)
WAZ vom 12.04.2024 (Foto: Oliver Müller)

Unser OB verschenkt Obstbäume und greift zum Spaten, während er freundlich in die Kameras der Foto-Journalisten lächelt. Was steckt dahinter? Gutgemeinte Absicht oder billiges Green-Washing? Wir schauen genauer hin. Zwei Aktionen der letzten Jahre wollen wir dazu aufs Korn nehmen: Die kostenlose Abgabe von Obstbäumen (2022/2023) und die Neuanlage von Streuobstwiesen (2022).


WAZ vom 28.03.2023 (Foto: Lars Fröhlich)
WAZ vom 28.03.2023 (Foto: Lars Fröhlich)

Kostenlose Obstbäume

 

Hintergrund

Unter dem Motto "Duisburg soll erlebbar grüner werden" stellte die Stadt in den Jahren 2022 und 2023 ein Sonderbudget von 1,5 Miollionen Euro zur Verfügung. Das Geld wurde verwendet, um ein Bündel von Maßnahmen zu finanzieren, bspw. das Aufstellung von Blumenampeln, die Anlage von Wildblumenwiesen oder die kostenlose Abgabe von insgesamt 3.000 Obstbäumen an Bürgerinnen und Bürger.

 

Bewertung

Eine solche Aktion ist erst einmal positiv zu bewerten. Zum einen werden neue Bäume gepflanzt, die Bürger haben einen Mehrwert in Form der Erträge (auch wenn diese natürlich erst in einigen Jahren sprießen) und die Stadt hat sich die Pflege gespart (Zwinker, zwinker). Gerade der letzte Punkt ist immer wieder ein Ärgernis. Junge Bäume werden von der Stadt auf öffentlichen Flächen gepflanzt, gehen aber oft ein, wenn die Wirtschaftsbetriebe nach drei Jahren das Wässern einstellen.

 

Jetzt das ABER: Wie glaubwürdig ist jemand, der behauptet, er wolle dazu beitragen, die Stadt grüner zu machen, indem er die Spendierhosen anzieht, und gleichzeitig das Fällen von Straßenbäumen vorantreibt. Wir denken dabei nicht nur an die Wedauer Straße. Dem einen oder anderen dürfte der Kampf um die Bäume an der Mercatorstraße noch lebhaft in Erinnerung sein. Weitere Beispiele sind die großen Neubaugebiete (Sechs-Seen-Wedau und Neuer Angebogen) oder die Durchforstungsaktion im Baerler Busch. Hinzu kommt, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Ersatzpflanzungen unter ökologischen Aspekten (Stichwort Umweltleistungen) keinen wirklichen Ersatz darstellen. Dazu müssten für einen gefallenen Altbaum mindestens 100 Jungbäume nachgepflanzt werden. Selbst 3.000 Obstbäumchen sind da nicht viel mehr als ein Trostpflaster. 


facebook/Sören Link (Eintrag vom 24.11.2022)
facebook/Sören Link (Eintrag vom 24.11.2022)

Neue Streuobstwiesen

 

Hintergrund

Aus dem erwähnten Sonderbudget wurde ebenfalls die Anlage neuer Streuobstwiesen finanziert. Dazu heißt es auf der facebook-Seite von Sören Link: "Duisburg soll mehr Grünflächen bekommen - und die Qualität der Grünflächen soll gesteigert werden. So werden alleine 6 neue Streuobstwiesen mit 110 Obstbäumen angelegt, zusammen mit Wildkräuter- und Wildblumenwiesen. Das sind gute Nachrichten für Insekten und Vögel, aber auch für alle Bürgerinnen und Bürger".

 

Bewertung

Der NABU Duisburg hat sich vier der sechs Flächen angeschaut. Das Ergebnis macht sprachlos. Unser Eindruck: Man wollte Geld ausgeben, man wollte pflanzen (um die öffentliche Seele zu streicheln), hatte aber keine geeigneten Grundstücke. Was tut man in so einem Fall? Man kratzt Restflächen zusammen und bestückt diese dann mit jener Anzahl an Bäumen, die man sich vorgenommen hat. Was macht es da schon, wenn die Bäume viel zu eng stehen? Der eigentliche Zweck ist ja erfüllt: Werbung in eigener Sache!

 

Was wir der Stadt konkret vorwerfen:

  1. Die Bäume stehen viel zu eng, teilweise im Abstand von nur 5 Metern, und nehmen sich dadurch gegenseitig das Licht.
  2. Teile der Grundstücke sind zusätzlich verschattet durch große Eschen und Eichen.
  3. Einige Bäume wiesen bereits im ersten Jahr nach Pflanzung Trockenschäden auf. Wurde nicht regelmäßig gewässert? Stichwort: Pflege (siehe oben).

Hinzu kommt, dass mindestens zwei der Grundstücke den Namen Streuobstwiese nicht verdienen. Das ist Etikettenschwindel! So wurden die Bäume in Meiderich auf einen schmalen Streifen zwischen Straße und Kleingartenverein gepflanzt, ja fast gezwängt (siehe drittes Foto in der Galerie). Wer nicht genau hinschaut, wird von der Streuobstwiese nichts mitbekommen. Nicht ganz so schlimm, aber noch weit weg von annehmbar, sieht es in Neuenkamp aus (zweites Foto).

 

Unser Fazit: Hier wird pures Green-Washing betrieben. Dazu noch ein Zitat von der facebook-Seite unseres Oberbürgermeisters: "Die Bäume werden in weitem Abstand von 10 m gepflanzt." Ja wenn es denn mal so gemacht worden wäre! Aber dafür hätte man größere Grundstücke gebraucht.


Leserbriefe zur PR-Kampagne

 

In den Wochen nach der Platanenabholzung Wedauer Straße gab es in den Printmedien auffällig viele und umfangreiche Artikel über die Versuche der Herren Link und Linne, das negative Bild, das in der Bevölkerung entstanden war, zu korrigieren. Da wurden 1500 Obstbäume an Bürgerinnen und Bürger verschenkt - im Grunde eine gute Sache, wenn die Aktion nicht ausgerechnet wenige Wochen nach dem Kahlschlag stattgefunden hätte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Und weil die Kritik an dem rigorosen Vorgehen der Stadt (Wedau gab es auch an anderen Stellen) nicht abriss, wurde Mitte des Jahres ein seitenlanges Interview in die Presse gegeben, mit der Schlagzeile: "Wir opfern keinen Baum leichtfertig". Aber die Duisburgerinnen und Duisburger haben die Masche der Stadtoberen durchschaut. Wieder hagelte es Leserbriefe und Kritik:

 

zu "Wir opfern keinen Baum leichtfertig"

  • Die Antworten von Herrn Link und Herrn Linne sind wahrhaft rhetorische Meisterleistungen. [...] Da lese ich, dass, wenn ich einen hundertjährigen Baum durch einen einjährigen Setzling ersetze, die Gesamt-Ökoleistung nach einem Jahr dieselbe ist wie im Jahr zuvor. Das nenne ich nicht nur einen geschickten Umgang mit Fakten, sondern auch äußerst kreative Mathematik. Na gut, laut Herr Linne bin ich ja auch nur eine von denen, die "dummes Zeug" reden. (WAZ, 05.07.2023)
  • Die im Interview gemachten Aussagen der Herren Link und Linne lesen sich schlüssig und machen den Eindruck, als wären hier sorgfältig wichtige Argumente vor den Fällungen in Wedau abgewogen worden. Auffällig ist allerdings, dass im Interview ausschließlich fehlende technische Alternativen zum Erhalt angeführt wurden. Bei der Anhörung im Ortstermin [...] wurde vom Planungsdezernenten [hingegen] erklärt, dass Baumerhalt technisch [sehr wohl] möglich, aber aufwendiger wäre. (WAZ, 06.07.2023)

zu "Stadt verschenkt 1500 Obstbäume"

  • Herr Link und die Wirtschaftsbetriebe hoffen auf unser kurzes Gedächtnis, und sicher ist auch schon Wahlkampf dabei. Nur: Blumenampeln und Obstbäumchen ersetzen nicht einen einzigen schattenspendenden Stadtbaum, und diese "Geschenke" aus Steuergeldern bezahlen wir doch letztlich selber. (WAZ, 03.04.2023)
  • Am Ende des durchaus erfreulichen Artikels [...] erklärt der OB der Stadt, klar sei, dass Duisburg mehr Bäume brauche und "wir im öffentlichen Raum schon jetzt immer bei jeder Straßenbaumaßnahme jede Fällung sorgsam abwägen". Wie link ist das denn? [...] Für alle Bürger, die engagiert für den Erhalt der Bäume demonstriert haben, ist eine solche Feststellung der reine Hohn. Ein OB, dessen Äußerungen so massiv und zynisch von den Fakten abweichen, ist für mich nicht wählbar. (WAZ, 04.04.2023)
  • In der Ausgabe hält Oberbürgermeister Link lächelnd ein kleines Mini-Bäumchen in die Kamera. Wie peinlich ist das denn, wo er doch die Abschaffung der Baumschutzsatzung befürwortet hat und somit viele gesunde Bäume ihr Leben lassen mussten.  (WAZ, 30.03.2023)
  • Wie peinlich ist das bitte, Herr Link? Erst werden alte Bäume in Wedau gefällt und auch die Baumschutzsatzung abgeschafft. Dann lässt man sich mit einem kleinen Obstbäumchen presse-wirksam fotografieren. Glaubwürdigkeit sieht doch anders aus. (WAZ, 05.04.2023)
  • Die vom OB und Wirtschaftsbetrieben geplante Schenkung von 1500 Obstbäumchen an die Bürger betrachte ich als reine PR-Aktion. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der OB und die GroKo des Rates bisher eine knallharte Politik der Beseitigung von zumeist älteren Straßenbäumen verfolgen. [...] Unser OB sagt, dass bei geplanten Straßenbaumaßnahmen im öffentlichen Raum schon jetzt jede Fällung sorgsam abgewogen wird. [...] "An den Taten sollst du gemessen werden", sagt der Volksmund. Somit sollte Herr Link seine Ankündigung erst einmal beweisen. (WAZ, 31.03.2023)