Duisburg – Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV), NABU-Partner in Bayern, haben die Dohle (Coloeus monedula) zum „Vogel des Jahres 2012“ gekürt. „Damit
beleuchten wir eine der intelligentesten heimischen Vogelarten, die trotz ihrer Anpassungsfähigkeit immer weniger Nistmöglichkeiten findet“, erklärt Jürgen Hinke vom Naturschutzbund NABU
Duisburg. „Mit der Ernennung zum Vogel des Jahres wollen wir uns verstärkt für die geselligen Dohlen einsetzen, denn ihre Lebensräume werden immer mehr eingeengt“, erläutert Hinke. So gelte es,
die vielseitigen Stimmtalente besser zu schützen, denn Dohlen stehen bereits in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten oder auf der Vorwarnliste.
Als Kulturfolger hatten sich die ursprünglichen Steppenbewohner in der menschlichen Nachbarschaft gut eingerichtet: Hohe Gebäude boten ihnen vorzüglichen Unterschlupf und Weiden, Felder und
Wiesen mit Käfern, Heuschrecken, Würmern und Schnecken. Für die Landwirtschaft waren sie nützliche Helfer bei der biologischen Schädlingsbekämpfung und so lebten Mensch und Dohle jahrhundertelang
einträchtig miteinander. „Doch nun versiegeln wir immer mehr Freiflächen rund um Duisburg – und in der Landwirtschaft und selbst im heimischen Garten werden großflächig Pestizide eingesetzt.
Damit verschwinden auch viele Insekten als Nahrungsgrundlage“, erklärt Hinke. „Deshalb sinkt die Zahl der Dohlen in vielen Regionen. In Duisburg sieht es glücklicherweise noch vergleichsweise gut
aus “ Der Dohlenbestand in Deutschland wird auf rund 100.000 Brutpaare geschätzt. Größere Dichten erreicht die Art nur noch regional, etwa am Niederrhein.
Zum Rückgang der Dohlen tragen aktuell auch viele Gebäudesanierungen bei, die zwar wichtigen Energiesparzielen dienen, aber den Dohlen Brutplätze in Nischen, Mauerlöchern und Dachstühlen
versperren. Wegen ihrer Vorliebe für Kirchtürme nannte man sie früher „des Pastors schwarze Taube“, doch die Türme vieler Gotteshäuser wurden inzwischen zur Taubenabwehr vergittert. Mit dem
Projekt „Lebensraum Kirchturm“ weisen NABU und LBV auf die Gefährdung von tierischen Kirchturmbewohnern hin und setzen sich für deren Schutz ein. Seit 2007, als der Turmfalke Vogel des Jahres
war, haben NABU und LBV bereits 500 Kirchengemeinden mit einer Plakette für ihr vorbildliches Engagement ausgezeichnet.
Im Jahr der Dohle soll die „Wohnungsnot“ der schwarz gefiederten Vögel mit den silber-blauen Augen gelindert werden. NABU und LBV rufen dazu auf, alte Lebensräume zu erhalten und neue zu
schaffen. „Denn auch die Dohlen-Kolonien in alten Baumbeständen nehmen ab, wo die Vögel gerne die von Schwarzspechten gezimmerten Höhlen beziehen“, erläutert Hinke. So gelte es, naturnahe
Altholzbestände und „Höhlenbäume“ zu schützen. Auch alte Parkbäume in Duisburg können diese Funktion erfüllen und dürfen nicht einer übervorsichtigen Verkehrssicherung oder Baumsanierungen zum
Opfer fallen. Damit in Betrieb befindliche Kamine nicht durch Nistmaterial verstopfen, könne man vorbeugend Schutzgitter oder Abdeckungen anbringen und den Vögeln andernorts alternative
Brutplätze anbieten. Dazu eignen sich spezielle Dohlen-Nistkästen, die gerne angenommen werden und über den NABU bezogen werden können.
Zugleich hoffen der NABU und der LBV auf einen Imagegewinn für den Vogel des Jahres 2012 – denn tatsächlich sind diese kleinsten Vertreter der Rabenvögel weder Unglücksboten noch Pechvögel, wie
mancher Volksmund sie schmähte. Vielmehr beeindrucken Dohlen durch ihr hoch entwickeltes Familien- und Gesellschaftsleben. Schon der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz war
fasziniert von den lernfähigen und intelligenten Dohlen mit ihrem so geselligen wie geordneten Kolonieleben. Dohlenpaare sind sich ihr Leben lang treu und auch in der fürsorglichen Beziehung zu
ihrem Nachwuchs sind sie keine Raben- sondern wahre Vorzeigeeltern.
Vielleicht gibt es noch weitere Vorkommen in Duisburg, die uns bisher nicht bekannt sind. Schreiben Sie uns doch bitte, wo Sie die Dohle in Duisburgbeobachtet haben.
Duisburg Baerl -Lebensraum für die Dohle in Duisburg
Helfen können Sie der Dohle auch durch das Aufhängen eines speziellen Nistkastens. Eine Bauanleitung finden Sie hier.